Geschichte
Warum brauchte man Handels-Unterseeboote ? Durch die britische Blockade wurden 1915 in Deutschland die Rohstoffe wie Nickel und Rohgummi knapp. Versuche, diese dringend benötigten Rohstoffe zu beschaffen, waren gescheitert. Wegen einer Ausfallbürgschaft des Reiches, wurde der Staatshaushalt stark belastet. Der Staatssekretär des Reichsschatzamtes kam daher auf die Idee, zum Zwecke der Rohstoffbeschaffung Unterseeboote einzusetzen. Ein erster Vorschlag, auf hoher See von Handelsschiffen die Ware auf U-Boote umzuladen, erwies sich als unbrauchbar. Da das Unterseeboot während der Übernahme tauchunklar gewesen wäre, war das Risiko angegriffen und versenkt zu werden zu groß. Das Beladen von bewaffneten Unterseebooten in neutralen Häfen war völkerrechtlich und politisch ausgeschlossen. Somit blieb nur eine Möglichkeit: Der Bau von unbewaffneten Handels-Unterseebooten.

So ähnlich dachte auch der Bremer Kaufmann Alfred Lohmann. Anfang September 1915 verhandelte er mit dem Staatssekretär des Reichsschatzamtes über seine Idee. Sein Vorschlag war, in Zusammenarbeit mit dem Norddeutschen Lloyd und der Deutschen Bank eine GmbH mit einem Kapital von 2 Mio. M zu gründen. Sie sollte ein Handels-U-Boot bestellen und das Frachtgeschäft übernehmen. Das Reich sollte den Gesellschaftern ihre Einlage und eine 5%ige Verzinsung garantieren. Der Gewinn, der darüber hinaus anfällt, war an das Reich abzuführen.

Am 8. November 1915 wurde in Bremen die "Deutsche Ozeanreedereigesellschaft m.b.H." gegründet. Carl Stapelfeld vom Norddeutschen Lloyd übernahm ehrenamtlich die Leitung. Den Ankauf der Ladungen besorgte die Firma Lohmann & Co. unentgeltlich. Es war ursprünglich geplant, das Fracht-U-Boot bei der AG Weser konstruieren und bauen zu lassen. Die Werft war aber ausgelastet und das Boot wäre nicht binnen 11 Monate fertiggestellt worden. Ein schneller Bau und eine baldige Indienststellung waren aber nötig, da der Verlauf des Krieges sich dahin gehend ändern konnte, dass die Handels-U-Boote nicht mehr benötigt worden wären. Und in Friedens Zeiten braucht keiner solche U-Boote. Das wäre der wirtschaftliche Ruin für die "Deutsche Ozeanreedereigesellschaft m.b.H." gewesen, noch bevor sie das erste Boot auf Fahrt hätten schicken können.

Auf Grund dieser Probleme wurden im Oktober 1915 von der Weser-Werft Verhandlungen mit dem Reichsmarineamt (RMA) eingeleitet. Dort waren auch ähnliche Vorschläge über Frachttauchboote der Firma Krupp eingegangen. Krupp hatte in den USA größere Mengen Nickel lagern, an die wegen der englischen Blockade nicht heranzukommen war. Daher erklärte Krupp sich bereit, dem Reich das U-Boot zu schenken, wenn es dafür verwendet würde, das Nickel aus den USA zu holen. Die Stettiner Vulcan Werft hörte von diesen Plänen und bot am 5. Oktober 1915 dem RMA an, vier Transport-U-Boote nach den Plänen des Minen-U-Bootes vom Typ U71-U80 zu bauen. Zuvor war der Vorschlag, die Boote U79 und U80 selbst umzubauen, am 2. Oktober vom RMA abgelehnt worden. Man brauchte für den U-Boot-Krieg jedes verfügbare Boot. Da die Germania Werft Kiel in er Lage war, zwei Boote mit einer Tragfähigkeit von ca. 600t zu bauen und sie schneller als die AG Weser und der Vulkan in Stettin fertigzustellen, wurde dort ein U-Boot von der "Deutsche Ozeanreedereigesellschaft m.b.H." und ein Boot von Krupp (aber für die DOR GmbH.) bestellt. Bei der Marine bekam der Bau dieser Fracht-U-Boote den Decknamen "U200"